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 Heutzutage gilt der Tourismus als weltweit größter Wirtschaftszweig, dem jeder zwölfte Mensch seinen Arbeitsplatz zu verdanken hat. Der Anteil des Tourismus am globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt derzeit rund 3,6 Prozent; wird auch seine indirekte Wertschöpfung beachtet, so ist er für 14 Prozent (5.390 Mrd. USD) des internationalen BIP verantwortlich. Euphorisch sind auch die Prognosen hinsichtlich seiner weiteren Entwicklung. Laut dem Word Travel and Tourism Council (WTTC) wird das durchschnittliche globale Wachstum des Tourismus bis 2017 auf jährlich 4,3 Prozent geschätzt. Insbesondere für Entwicklungsländer wird der Tourismus als Hoffnungsträger gesehen. Für Länder wie Gambia, Sierra Leone, Samoa und Tansania stellt er die wichtigste Devisenquelle dar. Die UNWTO sieht für Entwicklungsländer und LDC (less developed countries) gerade im Tourismus eine große Chance, um Arbeitsplätze zu schaffen und in der Folge eine angemessene Lebensqualität zu gewährleisten. Der BIP-Anteil des Tourismus kann insbesondere bei LDCs und kleinen Inselstaaten bis zu 40 Prozent ausmachen. Für rund ein Drittel der Entwicklungsländer, inklusive der Hälfte der LDCs, stellen die Einnahmen aus dem Tourismus die Hauptquelle der Exporterlöse dar. Unter anderem lässt die vermehrte Suche nach Authentizität und unverfälschten Kultur- und Naturerlebnissen auch bislang touristisch unterrepräsentierte Länder als Urlaubsort interessant erscheinen. Die Entwicklungen hinsichtlich der internationalen Tourismusankünfte bestätigen diesen Trend. So nahm der Marktanteil von Entwicklungsländern bei den internationalen Ankünften allein zwischen 1990 und 2005 von 28,6 Prozent auf 40,3 Prozent zu, und mit 76 Prozent stiegen die Einnahmen aus internationalen Tourismusankünften zwischen 2000 und 2005 bei LDCs beinahe doppelt so stark an wie im weltweiten Vergleich. Neuere Zahlen bestätigen die Fortführung dieses Trends. Zahlreiche Untersuchungen zeigen jedoch, dass im Durchschnitt die Hälfte der Einnahmen aus dem Tourismus wieder ins Ausland, vor allem zurück in die touristischen Quellmärkte fließt. In einigen afrikanischen Ländern beträgt diese Rate bis zu 85 Prozent, in der Karibik rund 80 Prozent sowie 70 Prozent in Thailand. Diese „Sickerrate“ kennt mehrere Ursachen. Zum einen fließt Kapital durch den Import von Gütern und Dienstleistungen, die ein Land nicht selbst bereitstellen kann, wieder aus dem Land. Zum anderen beteiligen sich finanzkräftige Investoren aus dem Ausland an der Destinationsentwicklung in Dritte -Welt Länder und stellen die benötigten Finanzmittel und Humanressourcen bereit, welche für den Aufbau von Infra- und Suprastruktur sowie für die internationale Vermarktung des Produktes notwendig sind. Mit der Idee der durchgehenden touristischen Dienstleistungskette (vom Flug über die Beherbergung bis zum Angebot von Ausflügen vor Ort) versucht man, Gewinne alleine abzuschöpfen. Parallel dazu sind die Unternehmen als Devisenbringer geschätzt und werden von den Gastländern kräftig unterstützt. Als Investoren gibt es Steuererleichterungen oder auch einen freien Rücktransfer der Gewinne. Lokale Agenturen können sich kaum behaupten und stehen den milliardenschweren Konzernen machtlos gegenüber. Während Fair Trade Produkte vorwiegend im Nahrungsmittel- und Textilbereich seit beinahe 30 Jahren gang und gäbe sind, stellen „Transfair-Produkte“ im Reisebereich noch die Ausnahme dar. Südafrika arbeitet beispielsweise bereits erfolgreich mit einem Fair-Trade-Siegel, in Frankreich, Großbritannien und der Schweiz gibt es ähnliche Überlegungen. Einen Markt für nachhaltige Reiseprodukte gibt es allemal, zudem besteht die Chance, über die gesichterte Qualität der Preisspirale gegenzuhalten. Ethisch korrektes Handeln ist also gefragt sowie ein tiefgreifendes Bewußtsein über die Verantwortung gegenüber den Reisenden, insbesondere jedoch den Bereisten. Nachhaltigkeit zeichnet sich eben neben einer ökologischen und sozialen Ebene auch durch eine ökonomische Perspektive aus – sprich: „Faires Handeln“ wird langfristig belohnt.
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