Touristische Netzwerke - das Ende des Kirchturmdenkens  E-Mail

 Auch wenn man sich grundsätzlich wieder sehr zufrieden mit der aktuellen Buchungslage und der des letzten Jahres zeigt, bleiben dennoch ein bitterer Beigeschmack und ein wenig Unsicherheit. Laut den neuesten Ergebnissen der F.U.R (Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V.) schätzen rund zwei Drittel der Deutschen die Finanzkrise als allgemein besorgniserregend ein und beinah jeder Achte gibt an, dass dies Auswirkungen auf seine Urlaubsplanung für 2009 haben werde. Verständlich, dass sich auch die Touristiker sorgen und nach Konzepten suchen, die in unsicheren und dynamischen Zeiten Erfolg versprechen. Henry Ford -- Gründer der Ford Motor Company - kannte scheinbar die Zauberformel und meinte: "Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ein Fortschritt und Zusammenarbeiten ein Erfolg".

 

Es mag sowohl an den heterogenen und kleinen Strukturen der heimischen Tourismuswirtschaft liegen, als auch am (noch) zu geringen Leidensdruck, dass der Tourismus seit jeher eine geringe Kooperationskultur aufzeigt. Offensichtlich als Einzelkämpfer geboren, scheint für viele Touristiker allzu oft der Neid die einzige Motivation zu sein, um sich aus einer zugegebenermaßen gemütlichen Kleinkariertheit, Kurzsichtigkeit und Ignoranz zu befreien. Erst wenn die Konkurrenz sichtlich besser ist, wenn man scheinbar unaufhaltsam ins Hintertreffen gelangt, gilt es, eine Neuorientierung herbeizuführen und Kräfte zu bündeln.

 

Doch um dieses Kirchturmdenken überwinden zu können, bedarf es der Fähigkeit zum Weitblick, Offenheit und Mut. Und wer Dinge aus veränderten Perspektiven sehen und neue Chancen erkennen möchte, muss dies nicht nur wollen, sondern auch können -- ja, der muss sich dies sogar leisten können. Gemeinsam besser zu sein, voneinander zu lernen, vereint Räume zu überwinden sowie sich auf die eigenen Kernkompetenzen zurückzubesinnen, setzt jedoch ein hohes Maß an Vertrauen voraus. Beziehungen müssen gestaltet und konfiguriert werden und sich an strategischen Zielen und organisatorischen Anforderungen ausrichten. Nichts, was sich von heute auf morgen umsetzen lässt.

 

Es ist daher auch nicht legitim, diese Diskussion erst aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage zu führen. Auf Leistungsträgerebene gilt es vor allem, nach neuen Win-Win-Situationen Ausschau zu halten, um dahingehend temporäre, flexible und hybride Kooperationen aufzubauen und zu gestalten. Auf Destinationsebene ist vor allem Überzeugungsarbeit zu leisten, um die Vielzahl der in die touristische Wertschöpfungskette verwobenen Player, dem Gedanken Henry Fords? folgend, auf ein gemeinsames Ziel hin auszurichten.