Ideenklau als strategischer Erfolgsfaktor?  E-mail
There are no translations available.

In der nächsten Zeit, werde ich immer wieder Kolumnenbeiträge von mir posten, die im Berchtesgadener Anzeiger erschienen sind. Scans der Originalbeiträge findet Ihr unter der Rubrik "Publikationen"

 

 innovieren oder imitieren?

 

Vor allem für klein- und mittelständische Betriebe werden die Globalisierung der Märkte, ein erhöhter internationaler Wettbewerbsdruck, die rasanten Entwicklungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien sowie die Vielzahl der gesellschaftlichen Veränderungen, die den Markt zunehmend dynamisieren, zur ständig wachsenden Herausforderung. In einer Ökonomie der Aufmerksamkeit gilt es aus der Masse hervorzutreten, sich zu differenzieren, um in der Folge sichtbar und nachhaltig wettbewerbsfähig zu sein. Ein Sprichwort sagt „Wettbewerb ist die beste Medizin gegen Phantasielosigkeit und Bequemlichkeit.“ Dem sollte man generell glauben schenken, doch im Tourismus scheint dies anders zu sein. Oft fehlen ein Mindestmaß an Flexibilität sowie der Wille zur Veränderung. Da wird der Stillstand schnell zum Rückstand. Zahlreiche Studien verdeutlichen, dass gerade der Tourismus im Alpenraum kaum Änderungen am Basisprodukt vornimmt und das Innovationsverhalten äußerst bescheiden ausfällt. Aus einer volkswirtschaftlichen Perspektive gesehen, wäre dies jedoch gerade in krisengeplagten Zeiten äußerst wichtig, denn Dienstleistungsinnovationen werden als volkswirtschaftlicher Entwicklungstreiber angesehen. Unter den Produktinnovationen finden sich zumeist Erweiterungen der Reiseleistungen und bei den Prozessinnovationen handelt es sich vorwiegend um eine Adaption aus anderen Branchen oder um technische Modifikationen. Wirklich Neues - zum Zwecke der Verbesserung - das über die Ideenfindung hinaus eine entsprechende Umsetzung findet, ist rar. Es stellt sich nun die Frage, wie Veränderung angetrieben werden soll – gilt es doch lieber zu imitieren als zu innovieren? Warum Kraft und Energie in einen Innovationsprozess legen, gerade in einem Bereich, der rechtlich kaum vom Ideenklau zu schützen ist, und bei dem ein schnelles Abfließen der Innovationsgewinne an Imitatoren droht? Zu Recht, eine legitime Fragestellung. Doch nur wer agiert anstatt zu reagieren ist in der Lage, den Markt mit zu gestalten. Während Globalisierung und Technologisierung als die wichtigsten Treiber touristischer Innovationen auf Anbieterseite zu sehen sind, zeigen Studien, dass 80 Prozent des Innovationsbedarfs nachfragerseitig, also aufgrund eines veränderten Urlaubs- und Reiseverhaltens basieren. Der multioptionale Gast verlangt ein breites Dienstleistungsspektrum, nach Möglichkeit individualisiert und hoch emotionalisiert, mit hohem Erlebnischarakter, bei gleichzeitig schneller und effizienter Bereitstellung der Teilleistungen. Betrachtet man die Geschwindigkeit der  heutigen Veränderungszyklen wird schnell klar, dass Imitationen immer den Marktanforderungen hinterher hinken und zudem kaum die Qualität des Originals erreichen können. Zugegeben, der Blick durch die Brille der Realität zeigt, dass sich Destinationsmanager glücklich schätzen können, wenn auch nur ein Bruchteil der Leistungsträger einigermaßen professionell imitiert. Für reale Marktsituationen wird wohl eine gute Mischung aus beidem benötigt. Es gilt potenzielle Innovatoren zum zukunftsorientierten Handeln zu motivieren und den Rest zum bestmöglichen „individuellen Imitieren“ zu bewegen.